Gesprächiger: Beate Nachtrab
vom Ansbacher Theresien-Gymnasium

Ein Interview mit der "Lehrerin des Jahres 2015"

Für viele ist es ein absoluter Traum bzw. ein großes Ziel, auf das hingearbeitet wird: eine besondere Auszeichnung für seine berufliche Leistung verliehen zu bekommen.

Und dann gibt es noch diejenigen, die so einen Preis bekommen, sich kurz darüber freuen und dann weitermachen als wäre nix passiert. So jemand ist Beate Nachtrab, seit vielen Jahren Lehrerin für Englisch und Wirtschaft am Ansbacher Theresien-Gymnasium.

Sie erhielt im Jahr 2015 den Titel der „Lehrerin des Jahres“ verliehen. Ich habe mich mit ihr getroffen und darüber gesprochen, wie das Ganze zustande kam und wie sie heute ihren Alltag als Lehrerin sieht.

Frau Nachtrab, man muss schon sagen: der Titel hört sich ja ziemlich gut an!

Ja das tut er. Aber er kommt anders zustande als man sich das vielleicht vorstellt. Dazu muss ich etwas ausholen. 2015 habe ich mit dem sogenannten P-Seminar – das den Zweck hat, eine Verbindung aus Schule und Wirtschaft herzustellen – aus meinem Fach Wirtschaft beim Deutschen Gründerpreis für Schüler teilgenommen. Die Aufgabe bestand darin, ein fiktives Unternehmen zu gründen, einen Businessplan zu erstellen und diesen dann einzusenden – aber natürlich gehörten noch diverse andere Aufgaben dazu. Jedenfalls war es das zweite Jahr meiner Teilnahme und dort wurde den Schülern die Möglichkeit gegeben, ihre Lehrer zu bewerten – ich wusste das anfangs gar nicht. Ich hatte dort drei Gruppen am Start und diese Gruppen haben sich dazu entschieden mich zur Lehrerin des Jahres zu krönen. Man muss dazu sagen, dass das 15 Schüler in ganz Deutschland sind. Seitdem habe ich an dem Gründerpreis aber nicht mehr teilgenommen. Dieses Jahr ist leider kein P-Seminar zustande gekommen, man braucht dafür mindestens zehn Schüler die sich dafür entscheiden.

Wie haben Sie erfahren, dass Sie gewonnen haben?

Das Magazin „Stern“, das einer der Sponsoren des Gründerpreises ist, hat die Schulleitung über den Preis informiert, weil das Ganze während den Ferien passiert war. Die Schulleitung hat mich dann wiederum angerufen. Ich hatte mich total gefreut weil ich dachte „Endlich hat mal eine dieser Gruppen, die sich immer so engagieren, einen tollen Platz gemacht, der bundesweit in die Ehrungen geht“. Jedenfalls dachte ich, wir sind unter diesen ersten Plätzen und tja – das waren wir dann eben nicht. Als ich dann erfahren habe, dass ich zur Lehrerin des Jahres gekürt worden bin, war ich schon sehr überrascht. Der Chef meinte, dass das auf jeden Fall ein Preis ist, den man annehmen muss, also bin ich dann nach Hamburg geflogen. Die Verleihung fand dann im Gebäude des „Stern“ statt. Dort habe ich einen richtigen Award und eine Urkunde bekommen. Im Lehrerkreis hat sich das dann irgendwann herumgesprochen, dass ich diesen Titel errungen habe und ich musste dann auch ein paar Mal klarstellen, wie es dazu gekommen ist und auf das Interview des Stern verweisen.

Wissen Sie, ob aus den damaligen „Gründern“ auch tatsächlich welche geworden sind?

Ich weiß tatsächlich nicht, ob die Schüler in diese Richtung gegangen sind. Allerdings weiß ich von der damaligen Siegergruppe, dass sich da was getan hat. Die hatten bereits von der Firma, die sie als Paten hatten, das Angebot bekommen, das Produkt, das sie entwickelt haben in das Unternehmens-Portfolio mitaufzunehmen und den Schülern die Möglichkeit eröffnet, jederzeit in das Unternehmen einzusteigen. Grundsätzlich ist es so, dass sich die Schüler jeweils einen Lehrer – und einen Unternehmens-Paten aussuchen müssen; beide begleiten und unterstützen sie beim Projekt. Der Unternehmens-Pate muss von der Gruppe selbstständig gesucht werden und muss auch etwas mit der Produktidee zu tun haben. Das Problem dabei ist, dass es in Ansbach nur eine begrenzte Anzahl an in Frage kommenden Unternehmen gibt – ganz im Gegensatz zu einer Großstadt. Da gibt es ganz andere Möglichkeiten. Ein Pate aus einer passenden Branche wäre oft aber sehr hilfreich, weil die Unternehmen natürlich über ganz anderes Fachwissen verfügen als ich mit meiner grauen Theorie. Da war die Sparkasse bisher aber auch immer ein super Partner, der dafür gesorgt hat, dass sich von deren Mitarbeitern jemand fand der z. B. über den Businessplan geschaut hat.

Wollten Sie schon immer Lehrerin werden?

Nee. Es gibt immer andere Berufe, die einem im Kopf rumschwirren, aber es waren zwei Sachen, die ich vereinen wollte. Zum einen wollte ich etwas mit einer Sprache machen und etwas mit anderen Ländern. Also eher in Richtung Geografie. Das wurde mir damals dann aber vom Arbeitsamt ausgeredet, und so bin ich beim Fach Wirtschaft und im Lehramts-Studium gelandet.

Sie sind ja jetzt schon auch ein paar Jahre lang im Beruf – was würden Sie denn neuen Lehrern für Tipps mit an die Hand geben?

Also als neuer Lehrer würde ich mich nicht so stark mit den gleichaltrigen Kollegen kurzschließen wie es oft aktuell der Fall ist, sondern würde auch mal über meinen Tellerrand hinweg schauen. Ich kann mich erinnern, als ich in ein neues Kollegium hineinkam, habe ich versucht auch auf die älteren Leute zuzugehen. Man befruchtet sich eigentlich nur gegenseitig, wenn man miteinander spricht. Seit einigen Jahren gibt es das Phänomen, dass sich die jungen Leute eher abschotten, also unter sich bleiben, und das finde ich nicht gut. Denn man kann sich in vielerlei Hinsicht austauschen und Synergien nutzen. Der junge Mensch bringt natürlich neue Ideen mit, und der ältere Kollege konnte bisher viele Erfahrungen sammeln – da wäre es schön und auch wichtig auch mal die Perspektive zu wechseln.

Was ist Ihnen im Unterricht besonders wichtig?

Für mich ist wirklich wichtig, dass die Klasse mich als ihre Lehrkraft akzeptiert, dass sie tatsächlich auch gern lernt. Ganz egal wie langweilig der Stoff vielleicht auch ist, ich versuche ihn möglichst nicht öde zu gestalten. Aber die Schüler müssen trotz allem Spaß, den sie dabei haben, erkennen, dass sie was tun müssen. Und dann können eben auch manchmal schlechte Noten dabei rauskommen. Aktuell ist es ein großes Problem, dass schlechte Noten gleichgesetzt werden mit „das Kind kann nix“. Das ist definitiv nicht zutreffend. Denn das zeigt nur, dass das Kind mehr tun muss. Die Schüler akzeptieren das auch von mir.

Wie sieht es denn mit den Schülern aus? Sind die heute anders als vor 10-15 Jahren?

Die sind auf jeden Fall anders geworden. Auch die Familienverhältnisse damals waren ganz andere als heute. Es gibt mehr, die auffälliger und auch selbstbewusster sind. Also der Fünftklässler an sich kommt schon mit einem gesunden Selbstbewusstsein rein – so von wegen „ich weiß doch eh schon alles“. Das hätten sie definitiv vor 20 Jahren nicht gemacht. Aber das schadet nicht und das möchte ich den Kindern auch nicht absprechen. Ich finde es sogar wichtig, das braucht man heutzutage. Aber um es kurz zu machen: es ist heutzutage wirklich völlig anders als es früher war.

Wenn Sie bewerten könnten, was würde für Sie einen Lehrer des Jahres ausmachen?

Er muss mit seinen Schülern zurechtkommen, egal mit welcher Methode er unterrichtet. Für mich ist es wirklich unerheblich wie er es macht, aber die Schüler müssen hinterher was können und auch selbst den Eindruck haben, sie haben was gelernt. Nicht dass man Schüler dann nach fünf Jahren trifft und sie sagen „Also, wenn Sie den Unterricht nicht gehalten hätten, wäre das ganz genauso gewesen“. Hatte ich zum Glück nie – vielleicht trauen sich die Schüler das aber auch einfach nicht zu sagen. Außerdem muss jeder Einzelne dafür bereit sein, was zu tun. Ich mag keine Lehrer, die in die Schule kommen, ihre Stunden runterreißen und das war es dann für sie. Ohne das eigene innere Engagement und Begeisterung geht meiner Meinung nach gar nichts. Denn das ist etwas, das man den Schülern auch weitergeben muss. Meiner Meinung nach sollte man auf jeden Fall hinter seiner Arbeit stehen.

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