Pilotprojekt „Schlaganfall-Lotsen“ startet in Stadt und Landkreis Ansbach – einer von wenigen Standorten deutschlandweit

Im feierlichen Rahmen wurde gestern (13. März 2019) das innovative Projekt der Schlaganfall-Lotsen in der Karlshalle Ansbach vor geladenen Gästen und lokaler Presse vorgestellt. Künftig werden zwei Lotsinnen für die Region Ansbach im Einsatz sein und Schlaganfallpatienten helfen, sich im komplexen Gesundheitssystem zurechtzufinden und werden somit langfristig Leben retten!

Informationsveranstaltung zum Pilotprojekt

Impulsgeber Dr. Udo Feldheim

Dr. Udo Feldheim, Impulsgeber für die Schlaganfall-Lotsen in Ansbach (und auch bereits der Helfer), niedergelassener Arzt und Past Präsident des Rotary Clubs Ansbach, begrüßt zur Veranstaltung und gibt eine kurze Einführung in das Thema.

Im Anschluss folgen Grußworte der Patin, Oberbürgermeisterin Carda Seidel und Pate Landrat Dr. Jürgen Ludwig. Beide (wie auch alle anderen Rednern) bedanken sich herzlich bei allen Initiatoren und vor allem beim Macher und Impulsgeber Dr. Udo Feldheim für seine unerschütterliche und engagierte Arbeit. Oberbürgermeisterin Seidel freut sich darüber, dass Stadt und Landkreis Ansbach mit diesem Projekt Vorreiter sind und künftig gleich zwei Lotsinnen für diese Region tätig sein werden. Selbst betroffen war bereits Landrat Dr. Ludwig vor einigen Jahren durch seinen Vater und macht deutlich, dass er froh gewesen wäre, wenn es solch ein Angebot wie die Schlaganfall-Helfer und Lotsen damals schon gegeben hätte. Umso dankbarer ist er allen mitarbeitenden Parteien und ehrenamtlichen Helfer, die sich so für die Patienten und gegen diese Krankheit einbringen. So schließe sich nun der Kreis und bestehende Lücken zwischen Prävention, Interaktion und Rehabilitation von Schlaganfall Patienten.

Ausbildung und Finanzierung der Lotsen

Chefarzt der ANregiomed-Neurologie Ansbach/Dinkelsbühl, PD Dr. Matthias Elstner

„Schlaganfall-Lotse kann jeder werden, der eine Grundausbildung im medizinischen Bereich hat, fünf Jahre Berufserfahrung sammeln konnte und die entsprechende Weiterbildung bei der Stiftung deutscher Schlaganfall Hilfe absolviert hat“, erläutert Elmar Stegmeier von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Die Lotsen sind für das Krankenhaus, hier die ANregiomed-Neurologie in Ansbach und Dinkelsbühl unter der Leitung von Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Matthias Elstner, tätig und haben bereits ab Tag eins oder zwei der Krankheit Kontakt mit dem Patienten und dessen Angehörigen.

Finanziert wird das Projekt von  Sponsoren wie Dr. Udo Richter mit seinem Fürther Unternehmen clinic@home. Des Weiteren unterstützt der Kreisverband des Bayrischen Roten Kreuzes und der Rotary Club Ansbach. Für die Patienten, die einen Schlaganfall-Lotsen oder auch Helfer in Anspruch nehmen möchten, ist das Angebot kostenfrei.

Aufgaben der Lotsen und Zusammenarbeit mit den Schlaganfall-Helfern

Schlaganfall-Lotsen sind professionell ausgebildete Hauptamtliche, die den Patienten und seine Angehörigen bei betreuenden und koordinierenden Tätigkeiten zur Seite stehen. Für den Patienten und seine Angehörigen ist dieser „Schlag ins und aus dem Leben“ eine gesundheitlich sehr schwierige Situation, die häufig starke Auswirkungen auf sein aktuelles, aber auch künftiges Leben hat. Ein weiteres Problem ist, dass in der heutigen Zeit Patient und Angehörige teilweise nicht in der selben Region ansässig sind und der Patient oft nahezu alleine steht. Hier greift der Lotse ein: er koordiniert und sieht die individuellen Bedürfnisse des Patienten. Er regelt die soziale und bürokratische Versorgung, häufig Tätigkeiten, die ein betroffener Patient nicht alleine leisten und schon gar nicht überblicken kann.

Währenddessen greift auch das Rote Kreuz in Ansbach ein und vermittelt einem Lotsen entsprechend Schlaganfall-Helfer für den Patienten. Diese fangen den Patienten emotional auf, sind aktiv im Bewältigen von Alltagssituationen vor Ort, begleiten Patienten bei Arztbesuchen, Behördengänge und Alltagssituationen. Die Arbeit findet vollständig in ehrenamtlichen Leistung statt.

„Die Helfer und Lotsen stehen in keinem Fall in Konkurrenz zueinander, im Gegenteil“, so Anna-Maria Wöhl vom BRK Ansbach, die momentan für die Vermittlung der Schlaganfall-Helfer zuständig ist und künftig mit den Lotsen eng zusammenarbeiten wird. Das bestehende Projekt der Helfer wird mit dem Pilotprojekt der Lotsen zusammengeführt. Die Arbeit und Betreuung geht Hand in Hand und verspricht einen Mehrwert der medizinischen Versorgung und eine Verbindung zwischen ärztlicher Behandlung in Kliniken, beim Hausarzt, bei der Rehabilitation in Kliniken und in der ambulanten Versorgung.

Ausblick: Lotsen als Regelleistung der Krankenkassen

Das Pilotprojekt in der Heimatregion der Stiftung deutscher Schlaganfall-Helfer Ostwestfalen-Lippe läuft in einem großen Modellprojekt bis zum Jahr 2020. Die Politik hat hohe Erwartungen an dieses Projekt und fördert es mit rund sieben Millionen Euro. Je mehr Städte und Landkreise mitmachen und das Projekt in der Probezeit erfolgreich abläuft, desto besser.

Ziel ist es, die Schlaganfall-Lotsen künftig bundesweit einzuführen und als Regelleistungen der Krankenkassen zu etablieren. So soll die Zahl der Lotsen ansteigen, damit viele Patienten in der Bundesrepublik auf diese besondere Leistung zugreifen können.

Warum sollten Krankenkassen Interesse haben, Lotsen als Regelleistung anzubieten? Dazu gibt es Zahlen und Fakten die dies begründen, so Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Elsner. „Für Schlaganfallpatienten besteht ein immenses Risiko eines wiederholten-Schlaganfalls. Durch die Unterstützung der Lotsen (und natürlich auch der Helfer) kann diese Rate deutlich gesenkt werden und auch die Sterberate reduziert sich“, ist sich PD Dr. Elstner sicher. Lotsen retten Leben und sparen den Kassen so Folgekosten durch weitere Behandlungen, ohne „Hand an den Patienten anzuwenden“, ohne Arzt und Medikamente.

Unsere Lotsinnen

Schlaganfall-Lotsinnen von Stadt und Landkreis Ansbach

Leider waren die neuen Lotsinnen aufgrund von Urlaub und Krankheit nicht vor Ort. Sabine Will und Viktoria Lehr sind die ersten Lotsinnen, die für den Bereich Westmittelfranken tätig werden. Sie haben beide bereits viel Erfahrung mit dem Krankheitsbild Schlaganfall und arbeiten bisher als care:Manager® im Gesundheitswesen.

 

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