Verlängerung der S-Bahn nach Crailsheim – ein „fränkisches Projekt“

Seit einiger Zeit wird im Landkreis Ansbach diskutiert, die S-Bahnlinie 4 bis ins baden-württembergische Crailsheim zu verlängern. Erst im Dezember war die Linie bis nach Dombühl verlängert worden, schon jetzt übertrifft diese Verlängerung alle Prognosen. Mit einer Machbarkeitsstudie nimmt das Projekt nun konkrete Formen an.

„Es geht um die Lebensqualität auf dem Land, eine gute Mobilität gehört zur Daseinsvorsorge wie Mobilfunk“, meint der Ansbacher Landrat Dr. Jürgen Ludwig zu Beginn des runden Tisches, zu dem neben vielen Verkehrsexperten auch zahlreiche Landes- und Kreispolitiker aus den Kreisen Ansbach und Schwäbisch Hall gekommen waren. Zwischen Ansbach und Crailsheim gibt es eine enge Vernetzung, viele Schüler, Studenten und Arbeiter pendeln zwischen beiden Städten. Von den täglich 35.000 Pendlern aus dem Landkreis Ansbach liegt bei den Zielen Crailsheim bereits auf Platz 3, nach Ansbach und Nürnberg. Und da sind Schüler und Studenten noch gar nicht mitgezählt, die zum einen die Hochschule in Ansbach und zum anderen die Fachschulen in Crailsheim stark nutzen.

Im vergangenen Dezember sind Überlegungen aufgetaucht, die S-Bahn zu verlängern, denn aus technischen Gründen musste der in Dombühl endende Zug mehrmals bis nach Crailsheim fahren, um dort zu wenden. „Wir sind schon deutlich weiter, als bei Vorüberlegungen“, stellte Dirk Domhardt, Verkehrsexperte des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg (VGN) klar. Im Juni soll die Machbarkeitsstudie vergeben werden, derzeit führe man bereits Bietergespräche mit drei Ingenieurbüros. Die sollen drei Varianten der S-Bahnverlängerung untersuchen:

  1. Der Zug fährt in Dombühl einfach weiter, ohne Anschlüsse in Nürnberg oder Crailsheim zu berücksichtigen.
  2. Der Fahrplan der S4 wird so verändert, dass er in Nürnberg die Fernzüge Richtung München und Berlin erreicht.
  3. Dombühl wird in Hinblick auf die Reaktivierung der Bahnstrecke nach Wilburgstetten zu einem Knotenpunkt ausgebaut, so dass die Züge aus Wilburgstetten und Dinkelsbühl in Dombühl Anschluss sowohl nach Crailsheim als auch nach Nürnberg haben, und zwar ohne lange Wartezeit.

Die drei Varianten werden jeweils sowohl mit Reaktivierung der Bahnstrecke über Dinkelsbühl nach Wilburgstetten untersucht, wie auch ohne Reaktivierung. Des Weiteren soll die Studie untersuchen, welche Bahnhöfe noch barrierefrei ausgebaut werden müssen – auf der baden-württemberger Seite würde der stillgelegte Bahnhof Ellrichshausen wiedereröffnet werden – und ob die Signaltechnik ausreicht. Ende September soll es das Ergebnis geben. „Die politischen Rahmenbedingungen sind heute deutlich besser als noch vor einem Jahr“, erklärt Domhardt. „In beiden Bundesländern gibt es einen politischen Willen für die S-Bahn.“

Auch die Integration in den Busverkehr wird bereits vorangetrieben. Der Stadtbusverkehr in Crailsheim hat schon signalisiert, dass er seinen Fahrplan auf die verlängerte S-Bahn anpassen würde. Demnächst werden Gespräche geführt, ob der VGN bis Crailsheim ausgeweitet werden kann, hier geht es vor allem um die günstigeren Verbundfahrpreise.

Die beiden Landräte aus Ansbach, Dr. Jürgen Ludwig, und aus Schwäbisch Hall, Gerhard Bauer (Bildmitte), zusammen mit zahlreichen Landes- und Kreispolitikern sowie Verkehrsexperten beim runden Tisch in Ansbach

Am Ende waren sich alle Politiker aus beiden Bundesländern einig das Projekt vorantreiben zu wollen. Der Ansbacher Landrat sprach von einem „fränkischen Projekt“. Allerdings wollte angesichts der Verzögerungen bei Bahnvorhaben keiner eine Prognose abgeben, wann die erste S-Bahn bis Crailsheim fährt. „Nur so viel, der Planungshorizont ist derzeit 2025“, so Domhardt. „Es bedarf auch weiterhin deutlicher Signale aus der regionalen Politik, sie müssen Druck auf alle Verantwortlichen machen.“

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